Projekt Bulgarien

Förderprogramm zur Aktivierung und Ergotherapie in der Psychiatrischen Anstalt in Petkovo Bulgarien


Petkovo liegt im Süden Bulgariens nahe der Grenze zu Griechenland in der Provinz Smolien in den waldreichen Rhodopen (juraähnliche Gebirgszüge) 100 Km südlich von Plovdiv. Im Juni 2000 erfolgte unser erster Besuch im Heim für psychisch-chronisch kranke Männer in Petkovo. Die Gebäude waren in sehr schlechtem baulichen Zustand ohne Zentralheizung. Die Toiletten und Waschgelegenheiten waren alt, stinkend, ohne Licht. Die etwa 100 Patienten, davon 90 chronisch Schizophrene im Alter zwischen 18 und 80 Jahren, grösstenteils 60-80 Jahre, waren auf engstem Raum untergebracht. Sie schliefen in kleinen 6-Betten- Zimmern. Sie hatten keine Tagesstruktur, keine Beschäftigung, kein Spiel, nur einen grossen Saal mit einem Fernseher. Sie erhielten genügend Essen, so auch viermal pro Woche Fleisch. Von einem geplanten Neubau stand nur das Betongerüst. Sechs Krankenschwestern, zwölf Sanitäterinnen und je zwei Mitarbeiterinnen in der Küche und in der Wäscherei und der administrative Leiter Nicolas Gavasov betreuen die Patienten. Sie versuchen eine gigantische Arbeitslast zu bewältigen. Es besteht eine minime kontinuierliche ärztliche und psychiatrische Betreuung. Der Dorfarzt verschreibt die Medikamente und kann zu Hausbesuchen gerufen werden. Einmal pro Monat kommt ein Psychiater aus Plovdiv. Mit CHF 3000.- konnten im Jahr 2001 dringend nötige Renovationen vorgenommen werden. Fachleute, die soweit als möglich auch versuchten die Patienten mitarbeiten zu lassen, konnten 8 Patientenzimmer renovieren und neue Plattenbeläge verlegen. Ebenso konnten die Waschgelegenheiten und WCs verbessert werden. Mit CHF 3400.- konnten im Jahr 2002 weitere sanitäre Einrichtungen und die Heizöfen erneuern lassen. Für das Jahr 2003 nahmen wir uns zum Ziel eine Aktivierungs-Therapie einzuführen um den Bewohnern eine gewisse Tagesstruktur anbieten zu können. Am 23. Mai 2003 reisten wir mit Frau Catharina Braun einer ehemaligen psychiatrischen Kader-Pflegefachfrau der psych. Klinik Liestal, heute Berufsschullehrerin und mit Herrn Renatus Schaub, psychiatrischer Pflegefachmann , Abteilungsleiter an derselben Klinik mit Ausbildung in Ergotherapie nach Petkovo. Es begleitete uns Doniaschka Petrova, eine Kader-Pflegefachfrau der Psychiatrischen Klinik in Varna, die im Rahmen des Varna-Projekts der psychiatrischen Dienste BL in Bulgarien mitgearbeitet und in der Schweiz einen Fortbildungsaufenthalt absolviert hatte. Sie war ideal geeignet als Dolmetscherin und Vermittlerin des nötigen Know-hows. Wir brachten als Start-Material Sportgeräte, Material für Hand- und Bastelarbeiten. Ein im Heim tätiger Sozial-Arbeiter wurde als Leiter des Aktivierungs-Programms bestimmt. Wir schufen eine 50%-Stelle (pensionierte Pflegerin), die ihn unterstützt. Unter unserer Anleitung wurde ein Garten angelegt und angepflanzt. Ein Hühnerstall wurde erstellt, ein Atelier wurde eingerichtet und ein Wochenplan mit Beschäftigungs-möglichkeiten incl. Bewegung und Sport erarbeitet und durchgeführt. Mit unserer finanziellen Unterstützung wurde Saatgut für den Garten (Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen, Knoblauch) und Hühner eingekauft, sowie Material fürs Atelier. Wir ermöglichten dem Atelierleiter und seiner Hilfe sowie 2 Pflegefachfrauen jährlich einen 14-tägigen Fortbildungsaufenthalt in der Psychiatrischen Klink Varna. Seit 2003 haben alle sechs Monate Besuche durch eines oder zwei unserer Team-Mitglieder zusammen mit unserem Teammitglied aus Varna stattgefunden mit Kontrollen und Besprechungen von weiteren Möglichkeiten . Im letzten Jahr konnten wir ein für die Aktivierung wichtiges aber unsere Möglichkeiten übersteigendes Projekt an den Lions-Clubs von Dinkelsbühl D weitergeben. Dank dieser grosszügigen Spende konnte ein alter Fussballplatz für das Heim wieder hergerichtet werden. Bei unseren Besuchen können wir jedes Mal feststellen, dass zur Freude von Patienten und Pflegepersonal das Aktivierungsprogramm funktioniert. Besonders kleine Feste und ein Ausflug, der im Rahmen der Aktivierung organisiert wurde, blieben den Bewohnern in Erinnerung. Unsere Finanzen: In den Jahren 2001, 2002, 2004 erhielten wir Beitrage vom Fonds für Entwicklungshilfe Basel-Stadt, im Jahre 2003 vom Lotteriefonds Basel-Stadt. Im Rahmen des EU-Beitritts wurde 2005 vom Ministerium für Soziale Aufgaben in Sofia dem Heim ein grosser Betrag für die Fertigstellung der Betongerüstes, des sog. Neubaus, zugeteilt. Unsere Arbeit wird weiter die Unterstützung der Aktivierungstherapie, die in ganz direkter Weise den Bewohnern zu Gute kommt, sein. Wir stellen fest, dass in den benachbarten Instituten unsere Arbeit registriert und kopiert wird. Diese Bestrebungen weiter zu unterstützen wäre eine Arbeit für die Zukunft.
Das Heim wurde von der Helsinki- Menschenrechtskommission lobend erwähnt, was die Heimleitung in ihren Aktivitäten sehr motivierte. Erfreulich ist, dass unser Projekt sehr vom Varna-Projekt der kantonalen psychiatrischen Dienste BL profitieren konnte. Frau Cathrin Braun und Herr Renatus Schaub besassen eine grosse Erfahrung mit psychiatrischen Pflegeproblemen in Bulgarien, da sie jahrelang im Varnaprojekt mitgearbeitet hatten. Die Pflegefachfrau aus Varna, Frau Doniaschka Petrova setzte sich persönlich sehr für unser Projekt ein. Sie ermutigte und stützte das Betreuungspersonal in einer ausserordentlich kompetenten und menschlichen Weise.
Eine grosse Hilfe für die Kommunikation und für das Einfühlen in die bulgarische Mentalität war auch unser Freund Dr. Peter Ilieff. Er hat ausserdem kürzlich mit einem Kleider-Transport für das leibliche Wohl unserer Patienten viel beigetragen.

 

16.3.06 Margrit und Frank Balmer

 

Kontakte an: Basler Förderverein für medizinische Zusammenarbeit, Postfach, 4005 Basel

Post-Check Konto: 40-470242-4 Credit Suisse: Konto Nr. 0083-384295-10