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Im Nebel
Hermann Hesse
 

Der Glockenguss zu Breslau
Wilhelm Müller

I möcht....
Trudi Günter, Davos

Zeit
Elli Michler

Herbsttag
Rainer Maria Rilke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Texte von Rainer Maria Rilke

Im Nebel, H. Hesse

Glockenguss zu Breslau, W.Müller

I möcht

Die Zeit, Elli Michler

Herbsttag, R.M. Rilke

Der Erlkönig,
Johann Wolfgang von Goethe

Der Zauberlehrling
Johann Wolfgang von Goethe

Gefunden
Johann Wolfgang von Goethe

Der Schatzgräber
Johann Wolfgang von Goethe

Der Prometheus
Johann Wolfgang von Goethe

Der Fischer
Johann Wolfgang von Goethe

Der Totentanz
Johann Wolfgang von Goethe

Philine
Johann Wolfgang von Goethe

Der Wanderer
Johann Wolfgang von Goethe

Blümlein Wunderschön
Johann Wolfgang von Goethe

Der Ring des Polykrates,
Friedrich Schiller

Werke von
Wilhelm Busch

D'Herbschtmäss Henny Labhart-Berger

Wenn moorn s Martinsgleegli lytted,
waisch waas daas fir uns bidytted,
d Ständ und d Buude sinn baraad,
d Resslirytti, s Riiseraad!

D Herbschtmäss gheert aifach zu Baasel,
s isch e stigg vo unserer Stadt,
si isch zwoor nimme glyych wie friener,
doch die Junge findes glatt.

Dr Peetersplatz, daas isch myy Liebi,
dr Rummel mues ych nimme haa,
nur haissi Wiirschtli, Diirgehoonig,
e Roosekiechli lacht mi aa!

 

Silvester Johann Peter Hebel

Das alte Jahr
hat's schlau gemacht:
Fort ist's
bei Nebel und bei Nacht.
Zum grossen Glück
für fern und nah
war auf der Stell ein neues da.

 

Im Nebel Hermann Hesse

Seltsam, im Nebel zu wandern !
Einsam ist jeder Busch und Stein,
kein Baum sieht den andern,
jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
als noch mein Leben licht war;
nun, da der Nebel fällt,
ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
der nicht das Dunkel kennt,
das unentrinnbar und leise
von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
jeder ist allein.

 

Der Glockenguss zu Breslau 

War einst ein Glockengiesser
zu Breslau in der Stadt,
ein ehrenwerter Meister,
gewandt in Rat und Tat.

Er hatte schon gegossen
viel Glocken, gelb und weiss,
für Kirchen und Kapellen,
zu Gottes Lob und Preis.

Und seine Glocken klangen
so voll, so hell, so rein;
er goss auch Lieb' und Glauben
mit in die Form hineien.

Doch aller Glocken Krone,
die er gegossen hat,
das ist die Sünderglocke
zu Breslau in der Stadt.

Im Magdalenenturme
da hängt das Meisterstück,
rief schon manch starres Herze
zu seinem Gott zurück.

Wie hat der gute Meister
so treu das Werk bedacht !
Wie hat er seine Hände
gerührt bei Tag und Nacht !

Und als die Stunde kommen,
dass alles fertig war,
die Form ist eingemauert,
die Speise gut und gar,

da ruft er seien Buben
zur Feuerwacht herein:
"ich lass' auf kurze Weile
beim Kessel dich allein,

will mich mit einem Trunke
noch stärken zu dem Guss,
das gibt der zähen Speise
erst einen vollen Fluss !

Doch hüte dich, und rühre
den Hahn mir nimmer an:
Sonst wär' es um dein Leben,
Fürwitziger, getan !"

Der Bube steht am Kessel,
schaut in die Glut hinein:
Das wogt und wallt und wirbelt
und will entfesselt sein -

und zischt ihm in die Ohren
und zuckt ihm durch den Sinn
und zieht an allen Fingern
ihn nach dem Hahne hin.

Er fühlt ihn in den Händen,
et hat ihn umgedreht;
da wird ihm angst und bange,
er weiss nicht, was er tät -

und läuft hinaus zum Meister,
die Schuld ihm zu gestehn,
will seine Knie umfassen
und ihn um Gnade flehn.

Doch wie der nur vernommen
des Knaben erstes Wort,
da reisst die kluge Rechte
der jähe Zorn ihm fort.

Er stösst sein schafes Messer
dem Buben in die Brust,
dann stürzt er nach dem Kessel,
sein selber nicht bewusst.

Vielleicht, dass er noch retten,
den Strom noch hemmen kann -
doch sieh, der Guss ist fertig,
es fehlt kein Tropfen dran.

Da eilt er abzuräumen,
und sieht, und will's nicht sehn,
ganz ohne Fleck und Makel
die Glocke vor sich stehn.

Der Kanbe liegt am Boden,
er schaut sein Werk nicht mehr;
ach, Meister, wilder Meister,
du stiessest gar zu sehr !

Er stellt sich dem Gerichte,
er klagt sich selber an.
Es tut den Richtern wehe
wohl um den wackern Mann;

doch kann ihn keiner retten,
und Blut will wieder Blut.
Er hört sein Todesurteil
mit ungebeugtem Mut.

Und als der Tag gekommen,
dass man ihn führt hinaus,
da wird ihm angeboten
der letzte Gnadenschmaus.

"Ich dank' euch", spricht der Meister,
"ihr Herren lieb und wert;
doch eine andre Gnade
mein Herz von euch begehrt:

Lasst mich nur einmal hören
der neuen Glocke Klang !
Ich hab' sie ja bereitet,
möcht' wissen, ob's gelang."

Die Bitte ward gewähret,
sie schien den Herrn gering;
die Glocke ward geläutet,
als er zum Tode ging.

Der Meister hört sie klingen,
so voll, so hell, so rein !
Die Augen gehn ihm über,
es muss vor Freude sein.

Und seine Blicke leuchten,
als wären sie verklärt;
er hat in ihrem Klange
wohl mehr als Klang gehört.

Hat auch geneigt den Nacken
zum Streich voll Zuversicht;
und was der Tod versprochen
das bricht das Leben nicht.

Das ist der Glocken Krone,
die er gegossen hat,
die Magdalenenglocke
zu Breslau in der Stadt.

Die ward zur Sünderglocke
seit jenem Tag geweiht;
weiss nicht, ob's anders worden
in dieser neuen Zeit.

Wilhelm Müller

Basel, 25. April 2001

 

 

I möcht ...

 

Jetz sitz i do, due d Ärm verschrängge,

im Alter duet me ruggwärts dängge:

 

I möcht wieder emool dur dr Zolli schländere

villicht s Läbe no e bitz verändere,

möcht an dr Mäss über e Petersplatz laufe

und bim -minu go Giggernillis kaufe,

in dr Haseburg go Läberli ässe -

das alles ka me halt nit vergässe.

 

I möcht dr Morgestraichwind lo um d Ohre bloose

versungge de Drummler und Pfyffer zueloose,

im Fasnachsschritt dur d Räppli stampfe,

e Määlsubbe und Zibelewaie mampfe

mit dr Fääri e barmool dr Bach überquere

und nach em Gässle de Bänggler zueheere!

 

I möcht no vyl, my Stadt am Rhy -

i möcht eifach wieder emool dunde sy.

 

Aber wenn i denn dert bi isch s gar nit so glatt

au du hesch di gänderet, liebi Stadt:

vyl Nöis isch baut und Alts isch verschwunde,

s isch überaal s Glych, in de Bärge und dunde.

 

Doch uff dr Pfalz kasch immer no stoo

und dyni Gedangge wandere loo.

Trudi Günter, Davos

Texte von Rainer Maria Rilke

Im Nebel, H. Hesse

Glockenguss zu Breslau, W.Müller

I möcht

Die Zeit, Elli Michler

Herbsttag, R.M. Rilke

Der Erlkönig,
Johann Wolfgang von Goethe

Der Zauberlehrling
Johann Wolfgang von Goethe

Gefunden
Johann Wolfgang von Goethe

Der Schatzgräber
Johann Wolfgang von Goethe

Der Prometheus
Johann Wolfgang von Goethe

Der Fischer
Johann Wolfgang von Goethe

Der Totentanz
Johann Wolfgang von Goethe

Philine
Johann Wolfgang von Goethe

Der Wanderer
Johann Wolfgang von Goethe

Blümlein Wunderschön
Johann Wolfgang von Goethe

Der Ring des Polykrates,
Friedrich Schiller

Werke von
Wilhelm Busch

 

Zu Weihnachten: Zeit

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben.

Ich wünsche Dir nur, was die Meisten nicht haben:

Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freun und zu lachen,

und wenn Du sie nützt, kannst Du etwas draus machen.

Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,

nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

Ich wünsche Dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,

sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche Dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.

Ich wünsche, sie möge Dir übrig bleiben

als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,

anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,

und Zeit, um zu wachsen, das heisst um zu reifen.

Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.

es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selber zu finden,

jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.

Ich wünsche Dir: Zeit zu haben zum Leben.

Elli Michler

 

 

 

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern,
wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

 

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