D'Herbschtmäss
Henny
Labhart-Berger
Wenn moorn s
Martinsgleegli lytted,
waisch waas daas fir uns bidytted,
d Ständ und d Buude sinn baraad,
d Resslirytti, s Riiseraad!
D Herbschtmäss
gheert aifach zu Baasel,
s isch e stigg vo unserer Stadt,
si isch zwoor nimme glyych wie friener,
doch die Junge findes glatt.
Dr Peetersplatz, daas
isch myy Liebi,
dr Rummel mues ych nimme haa,
nur haissi Wiirschtli, Diirgehoonig,
e Roosekiechli lacht mi aa!
Silvester
Johann Peter
Hebel
Das alte Jahr
hat's schlau gemacht:
Fort ist's
bei Nebel und bei Nacht.
Zum grossen Glück
für fern und nah
war auf der Stell ein neues da.
Im
Nebel Hermann
Hesse
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Seltsam, im Nebel zu wandern !
Einsam ist jeder Busch und Stein,
kein Baum sieht den andern,
jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
als noch mein Leben licht war;
nun, da der Nebel fällt,
ist keiner mehr sichtbar.
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Wahrlich, keiner ist weise,
der nicht das Dunkel kennt,
das unentrinnbar und leise
von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
jeder ist allein.
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Der
Glockenguss zu Breslau
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War einst ein
Glockengiesser
zu Breslau in der Stadt,
ein ehrenwerter Meister,
gewandt in Rat und Tat.
Er hatte schon
gegossen
viel Glocken, gelb und weiss,
für Kirchen und Kapellen,
zu Gottes Lob und Preis.
Und seine Glocken
klangen
so voll, so hell, so rein;
er goss auch Lieb' und Glauben
mit in die Form hineien.
Doch aller Glocken
Krone,
die er gegossen hat,
das ist die Sünderglocke
zu Breslau in der Stadt.
Im Magdalenenturme
da hängt das Meisterstück,
rief schon manch starres Herze
zu seinem Gott zurück.
Wie hat der gute
Meister
so treu das Werk bedacht !
Wie hat er seine Hände
gerührt bei Tag und Nacht !
Und als die Stunde
kommen,
dass alles fertig war,
die Form ist eingemauert,
die Speise gut und gar,
da ruft er seien
Buben
zur Feuerwacht herein:
"ich lass' auf kurze Weile
beim Kessel dich allein,
will mich mit einem
Trunke
noch stärken zu dem Guss,
das gibt der zähen Speise
erst einen vollen Fluss !
Doch hüte dich,
und rühre
den Hahn mir nimmer an:
Sonst wär' es um dein Leben,
Fürwitziger, getan !"
Der Bube steht am
Kessel,
schaut in die Glut hinein:
Das wogt und wallt und wirbelt
und will entfesselt sein -
und zischt ihm in die
Ohren
und zuckt ihm durch den Sinn
und zieht an allen Fingern
ihn nach dem Hahne hin.
Er fühlt ihn in
den Händen,
et hat ihn umgedreht;
da wird ihm angst und bange,
er weiss nicht, was er tät -
und läuft hinaus
zum Meister,
die Schuld ihm zu gestehn,
will seine Knie umfassen
und ihn um Gnade flehn.
Doch wie der nur
vernommen
des Knaben erstes Wort,
da reisst die kluge Rechte
der jähe Zorn ihm fort.
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Er stösst sein
schafes Messer
dem Buben in die Brust,
dann stürzt er nach dem Kessel,
sein selber nicht bewusst.
Vielleicht, dass er
noch retten,
den Strom noch hemmen kann -
doch sieh, der Guss ist fertig,
es fehlt kein Tropfen dran.
Da eilt er
abzuräumen,
und sieht, und will's nicht sehn,
ganz ohne Fleck und Makel
die Glocke vor sich stehn.
Der Kanbe liegt am
Boden,
er schaut sein Werk nicht mehr;
ach, Meister, wilder Meister,
du stiessest gar zu sehr !
Er stellt sich dem
Gerichte,
er klagt sich selber an.
Es tut den Richtern wehe
wohl um den wackern Mann;
doch kann ihn keiner
retten,
und Blut will wieder Blut.
Er hört sein Todesurteil
mit ungebeugtem Mut.
Und als der Tag
gekommen,
dass man ihn führt hinaus,
da wird ihm angeboten
der letzte Gnadenschmaus.
"Ich dank' euch",
spricht der Meister,
"ihr Herren lieb und wert;
doch eine andre Gnade
mein Herz von euch begehrt:
Lasst mich nur einmal
hören
der neuen Glocke Klang !
Ich hab' sie ja bereitet,
möcht' wissen, ob's gelang."
Die Bitte ward
gewähret,
sie schien den Herrn gering;
die Glocke ward geläutet,
als er zum Tode ging.
Der Meister hört
sie klingen,
so voll, so hell, so rein !
Die Augen gehn ihm über,
es muss vor Freude sein.
Und seine Blicke
leuchten,
als wären sie verklärt;
er hat in ihrem Klange
wohl mehr als Klang gehört.
Hat auch geneigt den
Nacken
zum Streich voll Zuversicht;
und was der Tod versprochen
das bricht das Leben nicht.
Das ist der Glocken
Krone,
die er gegossen hat,
die Magdalenenglocke
zu Breslau in der Stadt.
Die ward zur
Sünderglocke
seit jenem Tag geweiht;
weiss nicht, ob's anders worden
in dieser neuen Zeit.
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Wilhelm
Müller
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Basel, 25.
April 2001
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I möcht
...
Jetz sitz i do, due d
Ärm verschrängge,
im Alter duet me
ruggwärts dängge:
I möcht wieder
emool dur dr Zolli schländere
villicht s Läbe
no e bitz verändere,
möcht an dr
Mäss über e Petersplatz laufe
und bim -minu go
Giggernillis kaufe,
in dr Haseburg go
Läberli ässe -
das alles ka me halt
nit vergässe.
I möcht dr
Morgestraichwind lo um d Ohre bloose
versungge de Drummler
und Pfyffer zueloose,
im Fasnachsschritt dur
d Räppli stampfe,
e Määlsubbe
und Zibelewaie mampfe
mit dr Fääri
e barmool dr Bach überquere
und nach em
Gässle de Bänggler zueheere!
I möcht no vyl,
my Stadt am Rhy -
i möcht eifach
wieder emool dunde sy.
Aber wenn i denn dert
bi isch s gar nit so glatt
au du hesch di
gänderet, liebi Stadt:
vyl Nöis isch
baut und Alts isch verschwunde,
s isch überaal s
Glych, in de Bärge und dunde.
Doch uff dr Pfalz
kasch immer no stoo
und dyni Gedangge
wandere loo.
Trudi Günter,
Davos
Zu Weihnachten:
Zeit
Ich wünsche Dir
nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche Dir
nur, was die Meisten nicht haben:
Ich wünsche Dir
Zeit, Dich zu freun und zu lachen,
und wenn Du sie
nützt, kannst Du etwas draus machen.
Ich wünsche Dir
Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur für
Dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche Dir
Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum
Zufriedenseinkönnen.
Ich wünsche Dir
Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie
möge Dir übrig bleiben
als Zeit für das
Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit
auf der Uhr nur zu schaun.
ich wünsche Dir
Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu
wachsen, das heisst um zu reifen.
Ich wünsche Dir
Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
es hat keinen Sinn,
diese Zeit zu verschieben.
Ich wünsche Dir
Zeit, zu Dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde
als Glück zu empfinden.
ich wünsche Dir
Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche Dir:
Zeit zu haben zum Leben.
Elli Michler
Herbsttag
Herr: es ist Zeit. Der
Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten
Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus
hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her unruhig
wandern,
wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria
Rilke
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