Lettland, zwei Partnerspitäler

  

 

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Der Basler Förderverein für Medizinische Zusammenarbeit bricht zu neuen Ufern auf

 

Seit über acht Jahren unterhält der "Basler Förderverein" eine Partnerschaft mit dem Regionalspital Talsi in West-Lettland. In diesen Jahren intensiver Zusammenarbeit sind viele Teilprojekte realisiert worden. Letztes Jahr ist mit dem Regionalspital Rezekne in Ost-Lettland eine neue Verbindung geknüpft worden. Die befreundeten Ärztinnen und Ärzte aus Talsi aber sollen in die neue Kooperation mit Rezekne als aktive Mitarbeiter einbezogen werden. So wandeln sich diese Kolleginnen und Kollegen von "Empfängern" zu "Gebern", auf diese Weise soll eine lettisch-lettische Selbsthilfe angestossen werden.

 

 

Talsi in West-Lettland

 

1992, kurz nach der Öffnung des Ostens, aber zwei Tage vor dem Lettlandbesuch des damaligen französischen Präsidenten François Mitterand haben wir unser Partnerspital in Talsi besucht. Gross war der Wunsch nach Kontakt mit dem Westen und entsprechend erwartungsvoll sind wir empfangen worden. In diesem Klima war es leicht, Kontakt herzustellen. Mit vielen Besuchen und Gegenbesuchen haben wir in den folgenden Jahren die Beziehungen vertieft und ein Vertrauensverhältnis bilden können; das schaffte die Grundlage für eine langjährige Zusammenarbeit.

 

Anfang der neunziger Jahre war der materielle Mangel gross; entsprechend haben wir jedes Quartal eine Sendung von essentiellen Medikamenten, Verbrauchsmaterial und medizinischen Geräten geschickt. Die vorwiegend weibliche Ärzteschaft wollte aber auch über die Grenzen hinwegsehen und sich über den Stand der schweizerischen Medizin informieren: So sind bis heute sechsundzwanzig Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonen zu einem mindestens zweimonatigen Aufenthalt in die Schweiz gekommen.

 

In Lettland hat der Basler Förderverein ab 1993 jedes zweite Jahr ein einwöchiges Seminar ab-gehalten, eine praktische Fortbildung für alle in Talsi vertretenen medizinischen Disziplinen, abgehalten im Hörsaal, im OPS, im Labor oder im Röntgenraum. Anfänglich ausschliesslich von schweizerischen Referenten bestritten, wuchs die Zahl der einheimischen, lettischen Vortragenden kontinuierlich an; 1999 stellten sie die Mehrheit. 1995 realisierten wir, dass der Pflegebereich stark vernachlässigt war und so organisierten wir ab 1997 parallel und verknüpft ein Seminar für Krankenschwestern.

 

Am Spital Talsi konnten, vorwiegend dank der Unterstützung des Kantons Basel-Stadt, alle sanitären Anlagen saniert, der Gebärsaal erneuert sowie das Labor und das Röntgen modernisiert werden.

 

Natürlich sind einige Projekte nur teilweise gelungen oder ganz steckengeblieben. Dennoch sind die Möglichkeiten des Spital Talsi unter den Aktivitäten des Basler Fördervereins markant verbessert worden. Es schien uns deshalb nach acht Jahren an der Zeit, unser Engagement auf die Fortbildung zu beschränken und keine grösseren Vorhaben mehr zu lancieren.

 

 

Rezekne in Ost-Lettland

 

Damit der Basler Förderverein seine Erfahrung und sein Beziehungsnetz in Lettland weiterhin produktiv nützen kann, stellte er unter Vermittlung des früheren Chefarztes von Talsi Verbindung mit dem Regionalspital Rezekne her. Ende Oktober 2000 reisten elf Vereinsmitglieder zur ersten Kontaktaufnahme. Die schweizerische Besuchergruppe fand ein 1985 gebautes, vierhundert Betten umfassendes, für lettische Verhältnisse gut ausgerüstetes Krankenhaus vor, das aber weit hinter unseren gewohnten Standards liegt. Die dortige Ärzteschaft wünschte in erster Linie eine gemeinsame Fortbildung, vorallem über Infektionskrankheiten mit besonderem Gewicht auf Tbc, HIV und Diphtherie. Die dortigen Chirurgen beginnen eben mit der laparoskopischen Chirurgie und wünschen diesbezüglichen Support. Viele lettische Ärzte stehen vor der Eröffnung ihrer Privatpraxis, einer vom Staat prioritär geförderten Entwicklung. Diese grosse Gruppe möchte erfahren, wie Hausarztmedizin in der Schweiz praktiziert wird. Im Pflegesektor sollen Fragen der Hygiene, der Mobilisation und Physiotherapie sowie der Kommunikation mit den Patienten erörtert werden.

 

 

Lettisch-lettische Zusammenarbeit

 

Mit Elan wird der Basler Förderverein die neue Herausforderung in Rezekne annehmen. Mit ebenso grossem Engagement wird er sich aber dafür einsetzen, dass die "alten" Partner aus Talsi sich an dieser didaktischen Aufgabe beteiligen. Die Kolleginnen und Kollegen aus West-Lettland haben viel in der Schweiz gelernt und erlebt - und andererseits sind sie gewohnt, in den schwierigen lettischen Verhältnissen gute Medizin zu praktizieren. Sie sind also doppelt kompetent, sich an ihre Kolleginnen und Kollegen in Rezekne zu wenden. Die Tatsache, dass die Leute aus Talsi sich von Zuhörern zu Referenten entwickeln, wirkt für sie beflügelnd und es ist zu hoffen, dass auf diese Weise eine lettisch-lettische Selbsthilfe angestossen wird.

 

 
Beim Bürgermeister
Talsi, das Spital
Postkarten von Riga
Stadtbesichtigung Riga

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