Das Engagement des
Basler Förderverein für Medizinische
Zusammenarbeit mit Kashikishi, Nchelenge, Sambia,
Südliches Afrika
Im Frühjahr 1973 sind zum
ersten Mal Mitglieder des Basler Fördervereins
für medizinische Zusammenarbeit ins südliche
Afrika nach Sambia gereist, um dort ein Spital zu
evaluieren, welches sich für eine Zusammenarbeit
eignen würde. Das St. Paul's Mission Hospital in
Kashikishi, im Nchelenge Distrikt, ganz im Norden des
Landes schien geeignet, da einerseits sehr abgelegen,
andrerseits nicht zu gross aber doch verantwortlich
für eine Bevölkerung von etwa 150'000 Personen.
Wichtig aber vor Allem: mit sehr motiviertem Personal,
welches in der Folge auch sehr zuverlässig in
Kontakt stand mit den Basler AerztInnen. Es wurde das
Fundament für eine langjährige Zusam-menarbeit
gelegt.
Seit dann reisen Mitglieder des
Basler Fördervereins zweimal jährlich nach
Kashikishi um Know-how, Material und organisatorische
Unterstützung zu liefern. Je nach aktuellem Bedarf
stellen sich die Mitglieder aus den verschiedensten
medizinischen Fachrichtungen zusammen. (Chirurgie,
Anästhesie, Innere Medizin, Apotheke, Radiologie,
Zahnmedizin) Zur Verbesserung der elektrischen
Installationen reisten letztes Jahr erstmals Elektriker
mit nach Sambia. Dieser Bericht wird einige Wochen nach
unsere letzten Reise nach Sambia im März erstellt.
Über die Jahre hinweg
dürfen viele positive und auch einzelne negative
Ereignisse und Entwicklungen gemeldet werden.
Anfänglich ohne e-mail oder FAX Kontakte, war
zeitweise die Kommunikation über Wochen nicht
möglich. Immerhin, beim grossen
Vertrauensverhältnis zwischen den sambischen und
Schweizer Partneren ist heute die Zusammenarbeit nach wie
vor sehr fruchtbar. Die Einleitung der sambischen
Gesundheitsreform vor einigen Jahren allerdings
erschwerte die Situation vor Ort. Faktisch handelt es
sich nur um eine Kürzung des Spitalbudgets, ohne
dass vom Staat mehr Leistungen erbracht würden. Dies
trotz zunehmender Patientenzahl. (AIDS, Malaria und
Flüchtlinge aus dem benachbarten Kongo, etc). Nur
Dank dem motivierten Einsatz der meisten
Spitalmitarbeiter ist die recht gute Versorgung der
Bevölkerung in diesem schwierigen Umfeld
überhaupt möglich.
Das
Spital:
Das St. Paul's Mission Hospital
wird durch Ordensschwestern, welche der Diözese von
Mansa unterstehen, geführt. Schwester Mary, die
Spitalverwalterin, genoss eine Managementausbildung in
Holland. Durch die Besetzung der Schlüsselpositionen
durch Ordensschwestern werden die Ressourcen und das
Material optimal verwaltet. Das Spital umfasst etwa 140
Betten und führte im Jahr 2000 knapp 900 Operationen
durch. Der ambulante Bereich bildet im sambischen
Gesundheitssystem jedoch den Hauptpfeiler.
Das
Personal:
Aktuell arbeiten 2 Ärzte in
Kashikishi. Der Chefarzt, aus dem Kongo stammend,
arbeitet seit mehreren Jahren vor Ort. Seit einigen
Monaten unterstützt ihn während den kommenden 3
Jahren ein holländischer Arzt, welcher von einer
kirchlichen Organisation (MEMISA) in den Niederlanden
angestellt ist. Die Medical Officers sind
nichtärztliche Mitarbeiter, welche die ambulanten
Patienten initial untersuchen und bei Bedarf den
Dienstarzt zuziehen. Dem Spital angegliedert ist eine
Schwesternschule, wodurch sich der Bedarf an
Pflegepersonal decken lässt.
Anästhesie:
Vor 4 Jahren stellte sich das
Problem, dass die durchgeführten
Ätheranästhesien mit dem neu installierten
Elektokauter eine explosive Überraschung produzieren
könnten. Der Basler Förderverein kontaktierte
das Departement Anästhesie des Kantonsspitals Basel,
welches sich spontan zur Mitarbeit entschloss. Eine erste
Evaluation sollte klären, ob es überhaupt
sinnvoll ist, die durchgeführten
Anästhesietechniken (Äther, Ketamin, Valium) zu
ändern. Es stellte sich heraus, dass die zwei
lokalen Anästhesisten nach ihrer Pflegeausbildung
und der anschliessenden Ausbildung zum Medical Officer
noch 2 Jahre in der sambischen Hauptstadt Lusaka eine
Anästhesieausbildung genossen, welche die meisten
Anästhesietechniken abdeckte. Die zwei sambischen
Anästhesisten waren fachlich kompetent und
motiviert. Aufgrund des Materialmangels konnten sie
jedoch in Kashikishi weder Intubations&endash; noch
Spinalanästhesien durchführen.Dies hatte
beispielsweise zur Folge dass Baucheingriffe nicht
durchgeführt werden konnten und die Patienten nach
Mansa verlegt werden mussten. Speziell Kinder
überlebten die strapaziöse Fahrt auf den
afrikanischen Strassen jedoch meist nicht. In einem
Container wurde ein Anästhesiegerät auf die
Reise geschickt. In Kashikishi angekommen musste es an
die lokalen Verhältnisse angepasst werden.
Sauerstoff in Druckflaschen ist nur sehr schwer
erhältlich, Wandanschlüsse gibt es schon gar
nicht. Das zur Verfügung stehende
Sauerstoffkonzentrationsgerät wurde mit einem
Druckluftkompressor kombiniert, wobei diverse
Reduktionsventile umgangen werden mussten, damit der Flow
genügend war um eine Rückatmung zu verhindern,
denn Absorptionskalk zur CO2 Reduktion ist ebenfalls
nicht erhältlich. Es erfolgte ein Refresherkurs
für die sambischen Anästhesisten in Spinal- und
Halothan-Anästhesien. Nach einiger
Überzeugungsarbeit konnte ein adaptierter
Minimal Safety Standard" implementiert werden um
die Patientensicherheit bei den sehr begrenzten
Ressourcen zu optimieren. Der Anteil an
Regionalanästhesien konnte deutlich erhöhlt
werden. Speziell erwähnenswert sind die
Kaiserschnitte, welche jetzt in den meisten Fällen
in Spinalanästhesie durchgeführt werden.
In den folgenden 2 Besuchen wurde
nebst Material und Teaching, ein Aufwachraum für die
postoperative Betreuung installiert. Die Schwestern und
Schülerinnen wurden auf die speziellen Risiken der
postoperativen Betreuung sensibilisiert. Eines des vom
Departement Anästhesie gesponserten Medikamentes,
das Dormicum, führte zu einer deutlichen Reduktion
der bösen Geister im Spital. Dank der
Dormicumamnesie erinnern sich die Patienten nicht mehr
and die möglichen Alpträume nach einer
Ketaminanästhesie.
Radiologie:
Vor 1 Jahr konnte eine neue
konventionelle Röntgenanlage, dank der finanziellen
Unterstützung der Gemeine Reinach und anderer
Sponsoren in der Schweiz installiert werden. Gerade bei
der verbreiteten Tuberkulose stellen die verbesserten
Thoraxbilder eine grosse Diagnosehilfe dar. Ebenfalls
steht ein gutes Ultraschallgerät zur Verfügung,
das von den Aerzten auch intensiv genutzt wird. Dank
intensivem Teaching anlässlich des Besuchs einer
Baslergruppe vor Kurzem vergrössert sich das
Einsatzgebiet des Ultraschalls zunehmend. Wurde es
intital meist zu Diagnosestellung bei Schwangeren
verwendet, wird heute das gesamte Abdomen und der Thorax
untersucht.
Wie
weiter:
Die berühmte Aussage
zwei Schritte vorwärts, einer zurück"
trifft hier vollumfänglich zu. Aufgrund der
kulturellen Unterschiede und Prioritäten schreiten
eingeleitete Änderungsvorschläge langsamer
voran, als wir uns dies mit unserem westlich,
zielorientiertem Tempo wünschen würden. Sind
die Spitalmitarbeiter jedoch einmal davon überzeugt,
dass die Änderung im Interesse aller Beteiligten
ist, steht der Einführung nichts mehr im Wege. Es
gibt noch zahlreiche Probleme, bei welchen dank der
Zusammenarbeit zwischen dem St. Paul's Mission Hospital
und dem Basler Förderverein in nächster Zukunft
Lösungsansätze gesucht und erarbeitet werden.
(Stromversorgung, Infrastruktur,
Medikamentenengpässe, Personalprobleme,
medizinisches Teaching etc.). Erfreulich ist letztlich,
dass durch die langjährige (nachhaltige)
Zusammenarbeit das Projekt in der Region Basel jetzt
recht gut bekannt ist. Die Tatsache, dass immer wieder
Aerztegruppen nach Sambia reisen, und dass ebendies
bekannt ist in der Bevölkerung und bei den
Behörden, erleichtern die Sponsorensuche heute
einigermassen. So durfte unser Verein bereits mehrmals
und auch dieses Jahr wieder grössere Beträge
vom Entwicklungsfonds der Stadt Basel oder vom
Lotteriefonds im Empfang nehmen. Neben den intensiven
Kontakten und Erlebnissen bei unseren afrikanischen
Partnern, aber auch den tiefen Freundschaften bereits
während Jahren, trägt dieser stete finanzielle
Support ebenfalls zur nachhaltigen Motivation der Basler
AerztInnen bei.
Basel, 13. 4. 01
Dr. med. Rene Fehlmann
Prof. Dr. med. Andreas
Nidecker
www.globalmed.ch
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