Prijepolje, Bericht aus der BaZ

 

 

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Basler helfen serbischem Spital

 

In enger Partnerschaft stehen jetzt Ärzte und Pflegende aus der Basler Region mit dem Spital von Prijepolje in Serbien. Ein gemischtes Seminar zeigte den Willen zu Qualität unter schwersten Bedingungen.

 

Prijepolje. Wie Hieroglyphen wirkten im Saal des Spitals von Prijepoljein der serbischen Sandjak-Region die Projektionen von Elektrokardiogrammen. «Was sehen Sie hier?», fragte Hans-Ruedi Banderet, Arzt für Innere Medizin und Präsident des Basler Fördervereins für Medizinische Zusammenarbeit, unterstützt von der Medizinischen Gesellschaft. Meistens mit Zielsicherheit zeigten die Kardiologin Mirjana Kurkic und ihr Kollege Mirsad Duran auf die kritischen Stellen und nannten Krankheitsbefunde.

 

Spital ohne Telefon

 

Handy-Töne begleiteten das fünftägige Seminar für Ärzteschaft und Pflegende im Spital der Stadt Prijepolje. Die spitalinterne Telefonverbindung ist nämlich seit längerer Zeit defekt, klärten Rajko Divac und Izet Djurdjevic, Direktoren von Spital und Ambulatorium, die Gäste auf. Anrufe sind nur noch bis zu Porte und Sekretariat möglich, auch dies bloss mit geliehenen Verbindungen. Darum nutzen Ärzte und Schwestern ihre privaten Handys für die unerlässliche Kommunikation.

 

Das Seminar war organisiert vom Basler Förderverein für medizinische Zusammenarbeit. Vermittelt wurde die Partnerschaft mit diesem Spital durch die schweizerische Vereinigung «Gemeinden gemeinsam». In deren Rahmen arbeitet die Berner Gemeinde Köniz bereits seit zehn Jahren mit Prijepolje zusammen. In den Kriegs- und Boykottjahren Serbiens von 1991 bis 2001 waren mehrere ortsansässige Ärztinnen und Ärzte des Spitals beteiligt an der erfolgreichen Vermittlung zwischen den etwa gleich grossen muslimisch und christlich geprägten Bevölkerungsteilen, unterstützt vom langjährigen Bürgermeister Stevan Puric.

 

Noch heute herrscht extremer Mangel. Lebenswichtige Geräte sind uralt und bedroht von endgültigem Ausstieg. Wie die schweizerischen Pflegefachfrauen Claudia Probst, Adelheid Neubert und Mira Petrovic feststellten, sind selbst alltägliche Güter wie Verbandstoff oder Desinfektionsmittel bedrohlich knapp. Wichtige Medikamente müssen von den Patienten mit knappen oder gänzlich fehlenden Einkommen selbst gekauft werden, unter anderem Schmerzmittel mit Ausnahme von Morphium. In der abseits gelegenen Abteilung Psychiatrie und Neurologie gibt es noch keinerlei Beschäftigungstherapie.

 

Schlüsselsprache Englisch

 

Zu einem wichtigen Inhalt des Seminars wurde die Abklärung des Bedarfs nach Hilfe und Weiterbildung. Hierzu gehören Englisch- und Deutschkurse zur Gewährleistung der Kommunikation mit den Basler Partnern und der internationalen Fachwelt. Der Kanton Basel-Stadt bewilligte aus dem Kredit für Entwicklungshilfe für die Partnerschaft 20 000 Franken. Bereits geliefert wurden aus der Basler Region Spitalwäsche und Mobiliar, zwei Dialysegeräte, zwei Elektrokardiogramm-Geräte, eine Ultraschallsonde. Bald wird eine Occasion-Ambulanz, gefüllt mit Inhalationsgeräten, Röntgenkasetten und weiteren Materialien nachfolgen. Das Seminar profitierte davon, dass drei teilnehmende Ärzte aus der Schweiz, nämlich Professor Mihael Podvinec, Chefarzt für Hals-, Nasen- Ohrenkrankheiten am Kantonsspital Aarau, Nenad Pavic, Gynäkologe, und Georg Bienz, Kinderarzt in Basel, die serbische Sprache beherrschen.

 

Armut und Arbeitslosigkeit

 

Die Themen des Seminars, aktiv mitgestaltet von den Partnern in Prijebolje, waren bestimmt von der Gesundheitslage der Bevölkerung. Auch in der Schweiz bekannt sind einseitige Ernährung, Bewegungsarmut, Sucht, die besonderen Belastungen von Frauen und Kindern, Bedrohungen bei Schwangerschaft und Geburt, Herzinfarkte, Infektionskrankheiten, vielfältige psychische Erkrankungen. Ein wichtiges Thema ist die Resistenzbildung gegenüber Antibiotika. Erst zögernd werden die Aids- Probleme angesprochen.

 

All dies wird verschärft durch den Dauerstress der Armut, gesteigert durch Jahre von Krieg, Boykott, Betriebsschliessungen, Massenarbeitslosigkeit. In Prijepolje sind 40 Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit. Bis 1990 war das Leben relativ erträglich, sagte hierzu die Oberschwester Stoja Sekulic. Von 1990 bis 2001 habe es sich dramatisch< verschlechtert. Im Gesundheitswesen sei der Standard von 1990 noch lange nicht wieder erreicht.

 

Von der Not ist auch das Personal der Gesundheitspflege betroffen. Heute verdient eine Krankenschwester monatlich etwa 150 Euro, ein Arzt etwa 200 bis 400 Euro. Die damit verbundenen Überlebenszwänge erschwerden die Weiterbildung. Dennoch besteht der Wille, die internationalen Qualitätsstandards zu erreichen. Jürg Meyer

 

Autor: Meyer Jürg=jme

BaZ Baseler Zeitung

Vom: 04.10.2003

 

 

 

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